Experimentierfeld Stimme. Foto: Michael Winter

Experimentierfeld Stimme – Warmsingen für den Herbst

am 13. Oktober 2016 | von | mit Keine Kommentare

Die goldene Jahreszeit hält Einzug in die Oskar-Jäger-Straße.  Mit dem Seminar „Experimentierfeld Stimme“ endete das Sommersemester in der letzten Septemberwoche.

Vor dem großen Seminarraum liegen viele durcheinandergewürfelte Schuhpaare. „Warme Socken mitbringen“ – dieser Hinweis im Ankündigungstext des Seminars sorgt bei den Anmeldungen regelmäßig für belustigte Rückfragen in der Sprechstunde. „Die Bodenübungen sind angenehmer ohne Schuhe und der intensivere Bodenkontakt ermöglicht mehr Beziehung zum Raum“ lautet des Rätsels Lösung.

Beim letzten Seminar im Sommersemester tönen Frauenstimmen in den verschiedenen Tonlagen durch die Seminarräume in der Oskar-Jäger-Straße. Leise aber kontinuierlich steigen die Stimmen in der Vokalkombinationen O-A-O oder U-O-U die Tonleiter rauf und runter. Auf meine Rückfrage hin erklärt mir Constanze Albrecht, Dozentin von »einszueins« und ausgebildete Sopranistin, dass diese Vokale stimmbildnerisch zum „Einstieg“ gut geeignet seien.
Dazwischen eine Männerstimme, kurze Sequenzen, die immer wiederholt und mit kleinen Variationen im Fokus korrigiert und angeleitet werden.
Der variierende Klangrhythmus findet den Weg bis in mein ein Stück entferntes Büro– die Atmosphäre wirkt konzentriert und heiter.

Am nächsten Tag hat sich etwas verändert. Die Singenden erobern nun mit ihren Stimmen den Raum mit einem deutlich hörbaren Unterschied! Was am Vortag noch eher vorsichtig tönte, klingt nun raumgreifend und „voller“. Der Bass der männlichen Stimme ermuntert die Alt- und Sopranstimmen zu einem selbstbewussten und scheinbar spielerischen Dialog. Kurzerhand lasse ich meine Arbeit ruhen und lausche eine ganze Weile. Zum Ende hin der Höhepunkt im gleichsam mühelos klingenden Kanon „Dona nobis pacem“. Dies ist kein erklärtes abschließendes Ziel innerhalb des Seminars, sondern ein Wunsch der Kursteilnehmenden, um gemeinsam den Übertrag der Klangerfahrungen auf ein Lied zu erproben.

Als Außenstehende erlebe ich es als sehr faszinierend, dass trotz der vielen Wiederholungen während der Stimmübungen offenbar keinerlei Ermüdung oder gar Langeweile aufzukommen scheint. Am Ende wirken die Stimmen „gewachsen“, der Klang wohltönend un d raumgreifend. Den nächsten Kurs bei Constanze Albrecht werde ich selbst einmal mitmachen, um hinter den Kulissen hervorzutreten und so vielleicht Teil der faszinierenden Veränderungen über die zwei Seminartage zu werden….

Das nächste Seminar Experimentierfeld Stimme findet am 16.-17. September 2017 in Köln statt.

 

Autor

Monika Söller

Monika Söller Meisterdesignerin, Leitung der »einszueins« Seminare bei der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, zuvor Lehrtätigkeit im Bereich LernRäume, BildungsRäume, FreiRäume, Lehraufträge u.A. am Institut für Tanz und Bewegungskultur in Kooperation mit dem Zentrum für Zeitgenössischen Tanz.

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