MaterialVerbindung PraxisbeispielMaterialVerbindung Praxisbeispiel. Foto: Michael Winter

Welche Absicht steht hinter dem absichtslosen Tun? Design in der Grundschule

am 28. März 2017 | von | mit Keine Kommentare

Das einszueins Seminar „MaterialVerbindungen“ im Bereich Design gibt Anregungen für Workshops mit Kindern und Jugendlichen.

An vielen Designschulen wird in der Grundausbildung das absichtslose Tun geübt. Hierbei wird versucht, die erwachsenen Studierenden wieder an das Spielen heranzuführen. Gemeint ist hierbei nicht das Spielen nach Regeln, sondern das freie Spiel. Josef Albers (Meister am Bauhaus in Weimar und Dessau) nannte es „zweckloses spielerisches Basteln in Material“ und dies zeichne sich dadurch aus, dass es „nicht durch Lehre beschwert“ sei. Ziel seiner Methode war eine intensive material-ästhetisch forschende Auseinandersetzung der Studierenden mit verschiedenen Materialien und ihrer spezifischen Eigenschaften. An den Fachhochschulen und Hochschulen stellen diese Übungen im Bereich Design auch heute noch Möglichkeiten dar, Ideen zu generieren sowie (Material-) Potenziale und Grenzen zu erforschen und zu erkennen. Beschränkt auf nur ein Material und wenige Verarbeitungsmöglichkeiten können die Studierenden zudem auf eine verantwortungsvolle Arbeit als Designer mit limitierten Ressourcen vorbereitet werden.

Auch in meinen Seminaren und Workshops arbeite ich oft mit einfachem Material z.B. DIN A4 Papier. Die Bearbeitung ist einfach, das Material ist oft vorhanden. Grundelemente wie zum Beispiel Papier-Rollen (siehe Bild oben) oder dreidimensional gefaltete Rauten (siehe im Bild unten) können schnell entstehen. Durch die sich wiederholenden Übungen bei der Erstellung erlernen und üben die Kinder Fingerfertigkeit. Die Vorgabe der Grundelemente setze ich hierbei als eine Art „Abkürzung“ ein. So wird für die SchülerInnen schnell deutlich, wie z.B. durch rollen und falten Stabilität in ein flexibles Material wie Papier gebracht werden kann. In einem nächsten Schritt kann natürlich auch mit individuellen Modulen experimentiert werden. Um im Weiteren komplexe und spannende Strukturen aufzubauen benötigt man eine große Anzahl von Einzelelementen. Diese können nur mit Geduld, einem gemeinsamen Ziel und abgestimmten Aufgaben entstehen- Teamarbeit ist also gefragt und kann spielerisch erprobt werden.

Ich beobachte immer wieder, dass es vielen Kindern Spaß macht, Fantasie-Objekte mit einfachen Grundelementen aufzubauen. Aber auch das Abtauchen in eine einfache sich wiederholende Tätigkeit, dieser Flow, scheint Konzentration und Spaß zu fördern. Hier entsteht Raum, der die Fähigkeit zum Erfinden weckt und die Freude am offenen Spiel bewahrt. Die Kinderzimmer und manchmal auch die Köpfe der Kinder sind vielfach voll mit fertigen (Spiel-) Anleitungen oder Bausätzen und sollten meiner Meinung nach davon befreit werden. Als Rahmen für einen Workshop mit Kindern nutze ich einen offenen FreiRaum ohne ablenkende und bekannte „Bastelmaterialien“. Der Werkstattcharakter ist für meine Arbeit mit den Kindern Voraussetzung und eröffnet viel gemeinsamen Gestaltungsspielraum.

Das offene Spiel bleibt hierbei nicht unreflektiert: „Was ist entstanden? Muss „es“ etwas sein oder darstellen? Worauf verweist das Entstandene?“ sind mögliche Fragen innerhalb der Wahrnehmungs- und Reflexionsübungen.

Im Seminar MaterialVerbindungen ist dementsprechend auch viel Raum für absichtsloses Tun, Reflexion, Materialforschung, Theorie und Hintergrund.

Nächstes Seminar MaterialVerbindungen am 06.-07. Mai 2017

 

MaterialVerbindung Praxisbeispiel MaterialVerbindung Praxisbeispiel

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Stapelbarer Tisch als Modell und als fertiges Möbel auf dem Schulhof:

Praxisworkshops, Foto: Michael Winter Praxisworkshops von Michael WinterPraxisworkshops von Michael Winter
Freies Basteln mit Eisstielen, alle Fotos: Michael Winter

Weitere Praxisworkshops auf meiner Website: www.winterdienst.info/workshops

 

Autor

Michael Winter

Michael Winter arbeitet als Schreiner und Designer in Köln. Seit 2012 plant und leitet er Workshops für Kinder und Jugendliche in den Bereichen Handwerk, Design und Technik.

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